Für Hessens Schulen · KI und Digitale Welt

KI begreifen – mit einem Foto und einem Gedicht.

Ab dem Schuljahr 2027/28 lernen Hessens Fünftklässlerinnen und Fünftklässler im neuen Fach „KI und Digitale Welt“. Die Poetry Cam macht dafür sichtbar, was eine KI tut: Sie sieht ein Bild, schreibt ein Gedicht und druckt es aus. Das ist anschaulich und regt zum Nachdenken an. Auf dem Gerät bleibt dabei nichts zurück.

Poetry Cam

Digitale Zukunftskompetenzen

Ein Gerät für den ganzen digitalen Bildungsweg

Hessen baut einen durchgehenden digitalen Bildungsweg von der Grundschule bis zur Sekundarstufe I auf. Die Poetry Cam bietet auf jeder Stufe einen konkreten Anlass zum Lernen.

  1. Klasse 4 · ab 2027/28

    Medienführerschein

    Was passiert mit meinem Foto, wenn ich es „ins Internet“ schicke? Am eigenen Bild wird Datenschutz konkret, nicht abstrakt.

  2. Klasse 5–6 · ab 2027/28

    KI und Digitale Welt

    KI-Grundbildung zum Anfassen: Eingabe, Modell, Ausgabe. Wie beeinflusst die Anweisung (der Prompt) das Ergebnis? Wo irrt die KI, und warum klingt sie trotzdem überzeugend?

  3. Klasse 7–10 · ab 2029/30

    Wahlpflicht KI und Digitale Welt

    Informatische Grundbildung: Kamera, Raspberry Pi, Python und eine KI-Schnittstelle. Ein echtes System, das man verstehen, nachbauen und weiterentwickeln kann.

Quelle: Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen – Digitale Zukunftskompetenzen

Im Unterricht

Eine Doppelstunde, vier Phasen

Ein Beispielablauf, der ohne Vorwissen funktioniert. Die Lehrkraft moderiert, die Klasse forscht. Das didaktische Konzept für Hessen enthält ausgearbeitete 45-Minuten-Einheiten für Klasse 4 bis 6.

  1. 01

    Erleben

    Die Klasse fotografiert einen Gegenstand, eine Pflanze oder das Klassenzimmer. Nach wenigen Sekunden liegt ein gedrucktes Gedicht auf dem Tisch.

  2. 02

    Untersuchen

    Dasselbe Motiv, aber eine andere Anweisung: Die Klasse formuliert selbst Prompts und vergleicht die Ergebnisse. Was bleibt gleich, was ändert sich?

  3. 03

    Bewerten

    Stimmt, was die KI „gesehen“ hat? Wo erfindet sie etwas dazu? Wer ist eigentlich der Autor des Gedichts?

  4. 04

    Reflektieren

    Der Weg des Fotos wird an die Tafel gezeichnet: Kamera, Internet, KI-Dienst, Drucker. Was wird gespeichert, was nicht, und wer entscheidet das?

Leitfragen für die Klasse

  • Woher „weiß“ die KI, was auf dem Bild ist?
  • Warum klingt ein Gedicht überzeugend, obwohl es Fehler enthält?
  • Kann eine Maschine kreativ sein, oder setzt sie nur zusammen, was es schon gibt?
  • Welche Daten gebe ich preis, wenn ich ein Foto an einen KI-Dienst schicke?

Gestärkte Kompetenzen

  • KI-Grundbildung: Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen generativer KI
  • Medienkritik: Ergebnisse prüfen, Fehler und erfundene Inhalte erkennen
  • Datenbewusstsein: Datenflüsse nachvollziehen und eigene Daten schützen
  • Sprache und Kreativität: Gedichtformen, Wirkung von Sprache, eigene Prompts
  • Informatisches Denken: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe an einem echten Gerät

Datenschutz im Schulmodus

Für Schulen gebaut: so wenig Daten wie möglich

Für den Einsatz mit Kindern hat die Poetry Cam ein eigenes Schulprofil. Es ist auf Datensparsamkeit ausgelegt und wird von uns fest eingerichtet, nicht per Schalter vor Ort.

Nichts bleibt auf dem Gerät

Foto, Gedicht und Audio liegen nur im Arbeitsspeicher. Beim nächsten Foto oder beim Ausschalten werden sie verworfen. Auf der Speicherkarte landet nichts.

Teilen nur mit Freigabe

Das Online-Teilen per QR-Code ist ausgeschaltet und nach jedem Neustart wieder aus. Nur die Lehrkraft kann es per PIN einschalten, etwa für Kinder mit Einwilligung der Eltern. Auch dann wird nur geteilt, was alle Prüfungen bestanden hat. Sonst gibt es das Ergebnis nur auf Papier.

Keine Konten, keine Namen

Schülerinnen und Schüler melden sich nirgends an. Die Kamera kennt weder Namen noch Klassenlisten.

Einstellungen nur für Lehrkräfte

Einstellungen und WLAN sind durch eine Lehrkräfte-PIN geschützt.

Jugendschutz: geprüft, bevor etwas gedruckt oder geteilt wird

Jeder Schritt hat eine eigene automatische Prüfung. Was sie nicht besteht, kommt weder aufs Papier noch in den Lautsprecher noch ins Internet.

  1. 1

    Prompt

    Bevor ein Prompt der Klasse die Kamera erreicht, prüft ihn der Server: auf verletzende, sexuelle oder gefährliche Inhalte, auf Versuche, der Kamera Befehle zu geben, auf persönliche Daten wie Telefonnummern oder Adressen und auf Prompts, die sehr lange Texte verlangen. Ein Prompt hat höchstens 200 Zeichen, die Kamera lehnt längere ebenfalls ab. Abgelehnte Prompts erreichen die Kamera nie, das Kind sieht einen freundlichen Hinweis, warum. Ist die Prüfung nicht erreichbar, wird nichts übernommen.

  2. 2

    Foto

    Die Kamera prüft jedes Foto, bevor das Gedicht erscheint. Ein unpassendes Foto bekommt kein Gedicht: Es wird verworfen, nichts wird gedruckt oder vorgelesen.

  3. 3

    Gedicht

    Die KI hat feste Vorgaben: freundlich und kindgerecht, kurz, der Prompt steuert nur Stimmung, Thema, Stil und Form. Die Kamera begrenzt die Länge der Antwort und kürzt zu lange Gedichte für Papier und Vorlesen. Jedes Gedicht wird geprüft, bevor es erscheint. Im Schulmodus zeigt der Bildschirm es erst danach. Fällt es durch, druckt die Kamera eines ihrer eigenen, festen Gedichte und sagt das offen.

  4. 4

    Teilen

    Online geteilt wird nur, was Foto- und Gedichtprüfung bestanden hat. Der Server prüft beim Hochladen noch einmal. Was dort auffällt, wird nicht gespeichert und nie veröffentlicht.

Automatische Prüfungen können sich irren, in beide Richtungen. Sie ersetzen nicht die Aufsicht der Lehrkraft. Die Hinweise auf dem Bildschirm sagen das auch den Kindern: KI kann Fehler machen, deshalb wird sie geprüft. Konnte eine Prüfung einmal nicht laufen, wird das Gedicht gedruckt, aber nicht geteilt. Lehrkräfte können Prompts vorab auf einer Testseite ausprobieren, ohne Kamera und ohne dass etwas gespeichert wird.

Transparent gesagt: Die aktuelle Umsetzung nutzt noch OpenAI und ElevenLabs. Um das Gedicht zu erzeugen, wird das Foto an OpenAI übermittelt. Für das Vorlesen wird nur der Gedichttext an ElevenLabs gesendet. Auch die automatischen Prüfungen von Prompt, Foto und Gedicht laufen über OpenAI. Eine Umstellung auf Microsoft Azure mit Rechenzentrum in Deutschland wird derzeit geklärt, damit die einschlägigen Gesetze und Vorschriften erfüllt werden. Unsere Empfehlung für den Unterricht: Motive ohne Gesichter wählen. Das schützt die Kinder und ist zugleich der beste Einstieg in das Thema Datenschutz. Werden andere Modelle mit europäischem Hosting benötigt, etwa von Mistral, sprechen Sie uns gerne an.

Unterlagen für Schulleitung, Schulträger und Datenschutz

  • Beschreibung der Datenflüsse und der technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM), ausgerichtet am BSI IT-Grundschutz
  • Textbaustein für das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten der Schule
  • Vorbereitete Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) als Arbeitsgrundlage
  • Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV) mit Liste der eingesetzten KI-Dienste
  • Elterninformation und Einwilligungsvorlage, getrennt nach Zwecken und jederzeit widerrufbar

Wir erarbeiten diese Unterlagen gemeinsam mit den ersten Pilotschulen und stimmen sie mit den behördlichen Datenschutzbeauftragten ab.

Pilotpartner gesucht

Gemeinsam erproben, bevor das Fach startet

Die Qualifizierung der Lehrkräfte beginnt bereits im Schuljahr 2026/27. Wir suchen Schulen, Fortbildungsträger und Ansprechpersonen in der Bildungsverwaltung, die die Poetry Cam im Unterricht erproben und mit uns weiterentwickeln möchten. Als greifbares Gerät ergänzt sie bildschirmbasierte Angebote wie AIS.Chat im Schulportal Hessen.

  • Erprobung an Pilotschulen und in Lehrkräftefortbildungen
  • Gemeinsame Weiterentwicklung von Unterrichtsmaterial
  • Abstimmung zu Datenschutz und IT-Sicherheit von Anfang an
  • Unterlagen für eine zentrale Prüfung nach § 83a HSchG, damit nicht jede Schule allein prüfen muss